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Projekt Nr. 2043: Waldpädagogik in Österreich

Das vorliegende Forschungsprojekt beleuchtet das Thema Öffentlichkeitsarbeit und Bildung der Gesellschaft im sowie über den Wald und analysiert ausgewählte Aspekte der Waldpädagogik in Österreich.

Das Institut für Sozioökonomik der Forst- und Holzwirtschaft an der Universität für Bodenkultur hat im Auftrag des BMLFUW das Forschungsprojekt ##quot##Waldpädagogik in Österreich - zwischen Naturerlebnis, Bildung und forstwirtschaftlicher Öffentlichkeitsarbeit##quot## durchgeführt.

1. Hintergrund:
Wald als Gegenstand von Bildung der Öffentlichkeit gewinnt in Österreich seit den 80er-Jahren zunehmend an Bedeutung. Es existiert mittlerweile eine Vielzahl an Bildungsangeboten von Einzelpersonen, Vereinen sowie schulischen und außerschulischen Einrichtungen, die Wald zum Thema haben und im Wald stattfinden. Bildungsangebote dieser sogenannten ##quot##Waldpädagogik##quot## reichen von Wald- und Lehrpfadführungen, Waldspielen sowie Waldarbeiten im Rahmen von schulischen Veranstaltungen, Freizeitaktivitäten und der Erwachsenenbildung bis hin zur Entwicklung von Unterrichtsmaterialien. Ihnen allen ist gemeinsam, dass der Wald im Mittelpunkt steht. In diesen waldbezogenen Bildungsangeboten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene drücken sich verschiedenste pädagogische Strömungen aus.

Waldpädagogik ermöglicht den Menschen, sich mit der Existenz von Bäumen und Wäldern und den mit ihnen verbundenen anderen Lebewesen auseinander zu setzen. Der Zugang zum Wald wird häufig über Erfahrungen mit allen Sinnen gesucht. Neben dem Sehen werden die anderen Sinne wie Riechen, Schmecken, Hören und Tasten angesprochen . Weiters werden Kenntnisse über die Natur, den Wald, seine Bedeutung und seine Nutzung vermittelt. Zudem verbessern das Gruppenerlebnis sowie die Interaktionen zwischen den Teilnehmern und mit dem Waldpädagogen die sozialen Fähigkeiten der Menschen.

Der Wald kann von uns Menschen in sehr verschiedener Weise betrachtet, erlebt und verstanden werden. Beispielsweise werden Wälder als schön, gewaltig, erschreckend, bedrohlich, gefährdet oder zerbrechlich empfunden. Oder sie sind nutzbare Ressourcen, komplexe Systeme mit großer Artenvielfalt, Lebensräume und prägende Elemente von Landschaften.

Die Interessen der Gesellschaft am Wald sind somit vielfältig und verändern sich ständig. Sie sind sowohl materieller als auch immaterieller Art und schwanken in ihrer Intensität. Welchen Sinn der Mensch dem Wald gibt, hängt von seiner persönlichen Beziehung zu ihm ab. Die soziale Umgebung, in der ein Mensch heute aufwächst, unterstützt häufig nicht mehr die Beziehung zur Natur. Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sollte daher die Gelegenheit gegeben werden, sich auch in der Welt des Waldes und der Natur umzusehen. Waldpädagogik kann bei der Entwicklung einer solchen Beziehung mithelfen. Letztlich muss aber jeder Mensch für sich entscheiden, welchen Stellenwert Wald und Natur in seinem Leben haben.

2. Ziele:
Ziele dieser Studie zur Waldpädagogik in Österreich sind die Analyse des Tätigkeitsfelds der Waldpädagogik mit seinen Anbietern und Zielgruppen sowie der Vergleich mit Deutschland und der Schweiz. Aus den Ergebnissen dieser Untersuchung sollen Empfehlungen für die strukturellen, institutionellen und personellen Rahmenbedingungen der Waldpädagogik in Österreich abgeleitet werden. Zudem soll die Studie Handlungsmöglichkeiten für die Optimierung der waldpädagogischen Praxis sowie Verbesserungsvorschläge für die Aus- und Weiterbildung der Waldpädagogen aufzeigen.

Das Forschungsprojekt beabsichtigt keine Evaluierung der Wirkungen von waldpädagogischen Aktivitäten. Dazu gibt es mittlerweile eine Vielzahl an Forschungsaktivitäten und Erkenntnissen. Weiters ist es nicht Ziel dieses Forschungsprojektes, einen Methodenkatalog für die Waldpädagogik in Österreich zu erstellen. In der Schweiz und in Deutschland existieren hochwertige Unterlagen für die Waldpädagogikpraxis. Diese deutschsprachigen Unterlagen sind in Österreich weitestgehend bekannt. Sie werden auch von den verschiedenen Aus- und Weiterbildungseinrichtungen für Waldpädagogen empfohlen.

3. Zusammenfassung:
Die Frage nach der aktuellen Situation der Waldpädagogik in Österreich, insbesondere nach Zielen, Konzepten, pädagogischer Praxis, Anbietern, Zielgruppen sowie Aus- und Weiterbildung der Waldpädagogen, bildete den Ausgangspunkt für diese Untersuchung. Zur Beantwortung der verschiedenen Fragestellungen wurden die vorhandene Literatur gesichtet und mehrere empirische Erhebungen durchgeführt. Erstens erfolgte eine telefonische Befragung aller Ausbilder in der Aus- und Weiterbildung von Waldpädagogen in Österreich. Zweitens wurden beispielhafte Waldpädagogik-Veranstaltungen (Waldführungen, Waldarbeiten und Waldlehrpfadführungen) mittels teilnehmender Beobachtung hinsichtlich mehrerer pädagogischer Prinzipien analysiert. Damit konnten waldpädagogische Ziele an ihrer praktischen Verfolgung gemessen werden. Und drittens erfolgte eine qualitative Inhaltsanalyse österreichischer Schulbücher bezüglich Wald und dessen Nutzung.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Waldpädagogik von anderen Formen der Ökologischen Pädagogik abgrenzen lässt. Hauptmerkmale sind die Besonderheiten des Mediums Wald einschließlich seiner gesellschaftlichen Nutzung. Darin liegt auch eine besondere Stärke und Chance der Waldpädagogik, nämlich die glaubwürdige Vermittlung wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Zusammenhänge am Beispiel Wald sowie seiner Nutzung.

Weiters zeigt sich eine Tendenz der österreichischen Waldpädagogik in Richtung forstlicher Öffentlichkeitsarbeit (##quot##forstliche Waldpädagogik##quot##). Zur forstlichen Öffentlichkeitsarbeit, verstanden als Dialog mit der Bevölkerung, leistet Waldpädagogik tatsächlich einen wertvollen Beitrag. Dabei ist es aber wichtig, eine Balance zwischen Imagepflege für die Forstwirtschaft und anderen Interessen der Gesellschaft anzustreben. Werte und Einstellungen werden oft bewusst oder unbewusst in waldpädagogischen Veranstaltungen vermittelt. Dabei kommt es auf die Intention des Waldpädagogen und die Form der Vermittlung an. Sie entscheiden darüber, ob die Bildungssituation belehrend oder moderierend ist.

Eine bewusste Berücksichtigung vernetzten Denkens, Alltags- und Lebensweltbezug, Zielgruppenorientierung, Selbstbestimmung, Reflexivität und Offenheit konnte nur in der Hälfte der Fallbeispiele waldpädagogischer Veranstaltungen beobachtet werden. Demgegenüber zeichnen sich alle analysierten waldpädagogischen Veranstaltungen durch die Vermittlung von Waldwissen verbunden mit Natursensibilisierung aus. Vor allem das Erleben mit allen Sinnen und ein positiver Zugang zum Thema Wald sind zentrale Bestandteile der Waldpädagogik. Entgegen dem teilweise vorhandenen Ruf nach einem Monopol der Forstleute auf Waldpädagogik wird eine breite Auslegung des Begriffs sowie eine starke Koordination mit anderen Akteuren im Bereich Ökologischer Pädagogik beim Bildungsangebot sowie in der Aus- und Weiterbildung empfohlen.

Waldpädagogik eröffnet nicht nur für die Teilnehmer von Veranstaltungen neue Wahrnehmungen und ein erweitertes Blickfeld, sondern auch für die Waldpädagogen selbst. Bei entsprechender Berücksichtigung der in der Studie abgeleiteten didaktischen Leitgedanken trägt Waldpädagogik zur Verbesserung des Verständnisses und der Beziehungen zwischen Gruppen verschiedener Interessen am Wald bei. Die steigende Nachfrage und Nutzung von Waldpädagogik-Angeboten weist auf einen gesellschaftlichen Vermittlungsbedarf an Erlebnissen, Erfahrungen und Wissen über den Wald hin. Die bisherigen Erkenntnisse zeigen, dass Waldpädagogik einen Beitrag zur Lösung alltäglicher Probleme leisten kann.

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15.07.2009, Lebensministerium IV/3