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Waldbestand am Abend
Foto: Leopold Ziehaus

Walderhaltung als globale Aufgabe

Die Weltwaldfläche, inklusive Urwälder und Plantagen, betrug 1995 3.454 Mio. ha, das sind 27% der Gesamtlandfläche unseres Planeten. Zwischen 1990 und 1995 gingen weltweit netto 56,3 Mio. ha Wald verloren, sodass eine Konferenz 1992 sich eingehend mit der dieser Aufgabe der Walderhaltung befasste.

Etwas mehr als die Hälfte aller Wälder liegt in Entwicklungsländern, wobei der Waldflächenverlust in Entwicklungsländern 65,1 Mio. ha betrug, während in entwickelten Ländern 8,8 Mio. ha dazukamen. Entwaldung ist nach wie vor ein Kernproblem in den Entwicklungsländern. Der Verlust an Urwäldern hat in diesen Ländern zwischen 1980 und 1990 aber deutlich abgenommen. Die Hauptursachen des Waldrückganges sind: Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzfläche sowie große wirtschaftliche Entwicklungsprojekte in deren Zuge auch Umsiedlungen vorgenommen werden. Die Holznutzung ist keine unmittelbare Ursache für Entwaldung, in vielen Gebieten der Waldzerstörung aber deshalb förderlich, weil Forststraßen entlegene Gebiete zugänglich für landwirtschaftliche Nutzung machen. Ausgehend von diesem weltweiten Waldrückgang und den damit einhergehenden Auswirkungen auf das Weltklima wurden gemeinsame internationale Anstrengungen in Angriff genommen um die Wälder global zu schützen. So befasste sich die UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung (UNCED) 1992 in Rio de Janeiro eingehend mit der als notwendig erkannten weltweiten Aufgabe der Walderhaltung.

Mit dieser Konferenz wurde eine weltweite Diskussion zum diesem Thema initiiert, in deren Rahmen zur Zeit die Notwendigkeit einer rechtlich verbindlichen Waldkonvention erörtert wird.

Auch in Europa ist Walderhaltung ein wichtiges forstpolitisches Thema. Dies zeigt sich am Gesamteuropäischen Prozeß zum Schutz der Wälder in Europa, der ein forstpolitischer Dialog von rund 40 Staaten und der Europäischen Union unter Einbeziehung von waldorientierten Organisationen und Institutionen mit dem Ziel ist, Forstpolitik zu harmonisieren sowie ein aufeinander abgestimmtes Vorgehen in Europa zu entwickeln.

Während die erste Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa 1990 in Straßburg inhaltlich eine Reaktion auf die Problematik des Waldsterbens war, wurden bei der zweiten Ministerkonferenz in Helsinki 1993, vor allem Nachhaltigkeit und Biodiversität im Wald aber auch die Zusammenarbeit mit den Mittelosteuropäischen Ländern und Fragen im Zusammenhang mit einer möglichen Klimaveränderung in den Vordergrund gerückt.

1998, bei der dritten Ministerkonferenz in Lissabon, wurden zwei Resolutionen unterzeichnet, welche, basierend auf dem Gedanken der Partnerschaft zwischen Gesellschaft und Forstwirtschaft, sozioökonomische Aspekte im Zusammenhang mit Forstwirtschaft sowie gesamteuropäische Kriterien und Indikatoren als auch Richtlinien zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung zum Gegenstand haben. Zusätzlich wurde erstmals eine Kooperation mit dem pan-Europäischen Umweltministerprozeß in Form eines Biodiversitäts-Arbeitsprogrammes eingegangen.

Mit der Lissabonner Konferenz hat Österreich den Vorsitz im Gesamteuropäischen Forstministerprozeß übernommen. Für Österreich bietet sich damit die Chance, die Zusammenarbeit für die Zukunft der europäischen Wälder in diesem wichtigsten forstpolitischen Prozeß Europas aktiv mitzugestalten.

In der Europäischen Union wird zur Zeit an einer "Strategie der Gemeinschaft für den Forstsektor" gearbeitet.

25.06.2008, Lebensministerium IV/3