Energetische Nutzung der forstlichen Biomasse
Sowohl beim Anteil der erneuerbaren Energieträger am Gesamtenergieverbrauch wie auch beim Biomasseanteil nimmt Österreich eine Spitzenposition im internationalen Vergleich ein.
In Anbetracht großer ungenutzter Potentiale ist Biomasse weiter zu forcieren, besonders im Hinblick auf die Ziele von Kyoto. Bemerkenswert ist, dass Bioenergie bereits zu rund 98 % Holzenergie ist.Ungenutzte Potentiale
Trotz des hohen Biomasseeinsatzes in Österreich bleiben derzeit gewaltige Potentiale ungenutzt. Einer verstärkten Biomassenutzung steht aus Sicht der Ressourcenverfügbarkeit nichts im Wege. Der heutige Biomasseeinsatz könnte durch verstärkten Holzeinschlag, durch erhöhte Durchforstungen theoretisch verdoppelt werden.
Die österreichische Forstwirtschaft verfügt noch dazu über enorme Holzreserven. Zu den 1.095 Mio. Vorratsfestmeter im Wald stehenden Holzvorrat kommt ein jährlicher Holzzuwachs von rund 31 Mio. Vorratsfestmeter. Von diesem jährlichen Holzzuwachs werden nur 19 Mio. Vorratsfestmeter jährlich genutzt.
Ökologische Vorteile vermehrter Durchforstung
Mehr Durchforstung hat auch ökologische Vorteile, denn zu dicht stehende Wälder verzeichnen einen geringeren Holzzuwachs, sind durch Wind- und Schneebruch besonders gefährdet und weisen eine besonders niedrige Artenvielfalt auf. Eine nachhaltige jährliche Mehrnutzung von 8 Mio Efm forstlicher Biomasse würde nicht nur möglich sondern würde darüber hinaus positive ökologische Effekte bringen.
Der Schwerpunkt des jährlichen Zuwachses liegt in noch nicht hiebsreifen Beständen, überwiegend des bäuerlichen Kleinwaldbesitzers, die im wesentlichen das Ergebnis starker Aufforstungsaktivitäten auf landwirtschaftlichen Grenzertragsböden in der Nachkriegszeit sind. Diese 30 bis 50 Jahre alten Bestände befinden sich derzeit in der Phase der stärksten Wüchsigkeit und würden dringend Pflegeeingriffe benötigen.
Diese längst fälligen Durchforstungen werden aber nicht durchgeführt, da der Absatz des bei der Waldpflege anfallenden Schwachholzsortimentes (Industrieholz, Brennholz) derzeit das größte Problem für die heimische Forstwirtschaft darstellt. Gerade der Biomasseenergiemarkt könnte diese noch nicht oder schwer verkäuflichen Holzsortimente mit guten Produktionserlösen aufnehmen.
Neben dem privatwirtschaftlichen Interesse besteht aber auch großes öffentliches Interesse einer rentablen, ökologischen Waldbewirtschaftung. Denn nur die Bewirtschaftung des Waldes und hier vor allem die Waldpflege bzw. Mischwuchsregelung garantieren die unverzichtbare Erhaltung der vielfach lebenswichtigen Funktionen. Nur positive Erträge sichern auf Dauer die Bereitschaft der privaten Waldbesitzer, ihre Wälder sachgemäß zu bewirtschaften und zu pflegen.
Ökonomische Vorteile
Neben den positiven Auswirkungen auf die Umwelt sind durch eine verstärkte Nutzung von Biomasse auch ökonomische Vorteile zu erwarten; die Importabhängigkeit würde sinken, die Versorgungssicherheit steigen und die Leistungsbilanz entlastet werden, da biogene Energieträger heimische, nachwachsende Ressourcen sind. Bisher müssen zwei Drittel des inländischen Energiebedarf importiert werden und zwar zu einem Großteil aus Ländern, die politisch instabil sind.
Dazu kommt, dass die heimische Wertschöpfung erhöht würde, vor allem in ländlichen wirtschaftlich benachteiligten Regionen.
Positive Beschäftigungseffekte
Neben der Auswirkung auf die heimische Wertschöpfung beeinflusst eine Ausweitung der Biomassenutzung auch die Beschäftigungssituation positiv. Vor allem im Bereich der Bereitstellung der biogenen Rohstoffe werden Arbeitsplätze geschaffen, also hauptsächlich in der Land- und Forstwirtschaft. Dieser Sektor ist trotz gestiegenen Maschineneinsatzes noch immer sehr beschäftigungsintensiv. Eine Intensivierung des forstlichen Biomasseeinsatzes könnte somit gerade in der mit Schwierigkeiten kämpfenden Land- und Forstwirtschaft zu einer Entlastung führen.
Es gibt Berechnungen, die bei Ausnutzung der möglichen Kapazitäten auf zusätzliche 30.000 bis 40.000 Arbeitsplätze kommen.
Weiter Informationen:
Abteilung IV3
Telefon: (+43 1) 711 00/7323
e-mail: arnold.ertl@lebensministerium.at
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09.06.2008, Lebensministerium IV/3


