Alpiner Schutzwald
Österreich hat mit rund 75 Prozent der Gesamtfläche den größten Alpenanteil aller mitteleuropäischen Staaten. Mehr als die Hälfte der Staatsfläche sind Intensivzonen des Schutzes vor alpinen Naturgefahren.
In vielen Gebirgstälern stellen die alpinen Naturgefahren ein Sicherheitsrisiko dar. Durch den steigenden Siedlungsdruck, der Verkehrserschließung der Alpen und dem Ausbau der touristisch intensiv genutzten Berge (Skigebiete) ist es zu einer Vergrößerung der gefährdeten Gebiete gekommen.Jährlich werden ca. 120 Mio. Euro für den Schutz vor Lawinen, Wildbächen, Steinschlag und sonstiger Erosion bereitgestellt. Die Wildbach- und Lawinenverbauung ist von Gesetzes wegen mit der Durchführung der baulichen Schutzmaßnahmen betraut.
Einen natürlichen Schutz gegen diese Naturgefahren bietet der Schutzwald. Der Wald ist eine natürliche Barriere vor Lawinen und Steinschlag aus den unbewaldeten Höhenlagen. Die alpinen Höhenlagen sind besonders stark den Temperaturunterschieden, der Sonneneinstrahlung und dem starken Wind ausgesetzt und unterliegen somit stärker der Erosion als die bewaldeten Hanglagen.
Der Schutzwald festigt den oft nur flachgründigen Waldboden und bewahrt ihn vor Hangrutschungen. Der Wald bindet Niederschläge und Grundwasser und beugt somit Vermurungen vor.
Nach dem Österreichischen Forstgesetz wird der Schutzwald in die Kategorien Standortschutzwald, Bannwald und Objektschutzwald eingeteilt.
- Standortschutzwälder schützen ihren Standort, also sich selbst.
- Der Bannwald ist ein Wald, dessen Nutzung zum Schutz vor Elementargefahren (Lawinen, Wind) oder wegen positiver Umweltwirkungen (Klima, Wasserhaushalt) behördlich beschränkt ist.
- Objektschutzwälder sind Wälder, die Menschen, menschliche Siedlungen oder Agrarflächen vor Elementargefahren und schädigenden Umwelteinflüssen bewahren.
Auf rund 780.000 Hektar Schutzwald, das sind rund 20 Prozent der österreichischen Waldfläche, dominieren subalpine Fichtenwälder, montane Fichten-Tannen-Buchenwälder, Latschenflächen und Lärchen-Zirbenwälder.
Aufgrund der sehr kurzen hochalpinen Vegetationsperioden sind diese hochalpinen Wälder sehr langsam wachsend und regenerierend. Ein großes Problem stellt die Verjüngung der Schutzwaldbestände dar. Auf etwa der Hälfte der Schutzwaldfläche gibt es derzeit zu wenige Jungpflanzen, die die Schutzfunktion übernehmen könnten, wenn die vorhandenen Bäume dafür zu alt geworden sind. Weitere Faktoren der Verhinderung der Verjüngung sind Wildverbiss, Waldweide, Vergrasung, Erosion oder Lichtmangel durch ein zu dichtes Kronendach.
Der Schutzwald bietet einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung des alpinen Lebensraumes. Aber es sind auch den Schutzwirkungen des Waldes Grenzen gesetzt. Lawinen, Massenbewegungen und Sturm reißen immer wieder große Lücken in den schützenden Waldgürtel und öffnen den Weg für andere Naturgefahren. Es ist erforderlich, dort, wo die Wirkung des Waldes nicht in vollem Umfang Schutz bietet, durch technische oder raumordnerische Maßnahmen Sicherheit herzustellen.
Die Österreichische Schutzwaldstrategie wurde im Jänner 2002 von Vertretern der Ministerien, Landesregierungen und Interessenvertretungen der Waldeigentümer, Gebietskörperschaften, Wirtschaft und der Jagd unterschrieben. In Schutzwaldplattformen sollen die erforderlichen Maßnahmen für den Schutzwald abgestimmt und der nötige Interessenausgleich herbeigeführt werden. Besondere Bedeutung wurde der Ordnung von Wald und Weide sowie der schutzwaldgerechten situationsangepassten Waldbewirtschaftung beigemessen.
In den meisten Bundesländern bestehen bereits Schutzwaldplattformen. Das Lebensministerium hat eine Bundesschutzwaldplattform eingerichtet, welche vor allem als Servicestelle für die Bundesländerinitiativen dient. Das Lebensministerium beteiligt sich auch an internationalen von der EU geförderten Projekten, damit der Schutzwald im erforderlichen Ausmaß bewirtschaftet wird.
15.02.2008, Lebensministerium Öffentlichkeitsarbeit


